Die wohl größte lebende Soul-Legende begibt sich endlich wieder auf Europa-Tournee! Ein neues Album steht zwar nicht an, aber wer braucht das schon wenn er aus einem Fundus unzähliger Klassiker aus ca. 30 stilprägenden Alben schöpfen kann.

Stevie Wonder ist einer dieser ganz raren Künstler bei dem selbst Superlative nicht mehr greifen. Sicher sprechen weit über 100 Mio verkaufte Tonträger, mehr als 30 Top-Ten-Hits oder 25 gewonnene Grammies eine deutliche Sprache, aber all das verdeutlicht nicht, dass ohne Stevies Musik die heutige Pop-Landschaft nicht die wäre, die wir heute kennen. Stevie Wonder überführte den klassischen Motown-Soul in den Pop, fusionierte R & B und Funk und schuf so die Grundlagen für die gesamte populäre, schwarze Musik seit den 70ern.

Dabei meinte es das Leben zumindest am Anfang nicht gut mit dem kleinen Stevland Hardaway Judkins. Der Neugeborene, der am 13. Mai 1950 das Licht der Welt in Saginaw/Michigan erblickt, muss als Frühgeburt in den Inkubator. Das Krankenhauspersonal verschätzt sich mit der Sauerstoffzufuhr und Klein-Stevie bekommt eine viel zu hohe Dosis ab - der Säugling erblindet. Ein denkbar tragischer Start ins Leben möchte man meinen, wenn da nicht diese geniale musikalische Begabung dieses Wunderkindes wäre, die schon früh auffällt.

Schon als Vierjähriger singt er im Kirchenchor und der Knabe beherrscht binnen kürzester Zeit so ziemlich jedes Instrument, das man ihm in die Hand drückt. Er liebt vor allem das Klavier, die Mundharmonika und das Schlagzeug. Seine ersten Auftritte verbreiten seinen Ruf als Wunderkind und 1962 wird Ronnie White, Mitglied der Soulband The Miracles vorstellig und stellt den Kontakt zum damals schon legendären Motown-Label her. Und tatsächlich, die Firma nimmt den 12jährigen unter Vertrag!

Zwischen 1963 und 1971 gelingen Stevie 13 Top Ten-Hits und er etabliert sich als Superstar der Black Music. Doch 1972 schlägt er ein neues Kapitel auf. Das Album "Music Of My Mind" geht weit über den damals üblichen Soul-Standard hinaus und eröffnet Stevies "klassische Periode". Bis 1976 folgen die Alben "Talking Book", Innervisions", "Fulfillinness' First Finale" und "Songs In The Key Of Life". Allesamt Meisterwerke, die nicht nur den Soul neu erfinden sondern sogar die Popmusik neu prägen - und darüber hinaus unglaublich kommerziell erfolgreich sind!

Die 80er Jahre bringen neben den künstlerischen Triumphen dann auch noch diverse Welthits wie "I Just Called To Say I Love You" oder "Part-Time Lover" aber schon damals schraubt er sein bisher todesverachtendes Arbeitspensum deutlich zurück. 1987 erscheint das Album "Characters", doch dann vergehen acht Jahre ohne neues musikalisches Lebenszeichen. 1995 erscheint "Conversation Peace" und wieder folgt eine lange Pause, die diesmal sogar ein volles Jahrzehnt dauert! 2005 erblickt schließlich "A Time To Love" das Licht der Welt und beweist, dass Wonder nichts von seinem Genie eingebüßt hat, auch wenn er nicht mehr wirklich zeitgemäß klingt - was er wahrscheinlich auch gar nicht will. Und irgendwie rechnet bereits jeder damit, dass das der Abschied eines der Allergrößten sein könnte.

Ist es aber nicht! Auf ein neues Album wird man sich wohl noch gedulden müssen, aber das Wonder nach über einem Jahrzehnt wieder tourt, ist eigentlich sogar noch sensationeller. Wer jemals einen Live-Mitschnitt von Wonder gehört hat (z.B. "Live At The Talk Of Town"), der weiß, dass dieser unbeholfene, blinde Musiker Konzerthallen in Schutt und Asche rocken kann. In Wonder verbinden sich musikalische Perfektion, Pop-Sensibilität und die Ekstase des Soul zu einer Energie, die man sonst nirgendwo mehr findet. Ein wirkliches Muss also, denn ob der Meister noch einmal live zu erleben sein wird, darf man mit Recht bezweifeln.


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